ISYBAU 2024: Ein strukturierter Schritt nach vorn für die Kanalinspektion
Mit der Fortschreibung der Arbeitshilfen Abwasser im Jahr 2018 wurde das ISYBAU-Austauschformat erstmals grundlegend strukturell angepasst. Notwendig wurden dabei sowohl Verschiebungen von Feldern innerhalb des XML-Schemas als auch die Streichung und Ergänzung von Datenfeldern und Referenzlisten. Trotz dieser strukturellen Änderungen blieb die Übertragbarkeit der Inhalte früherer Versionen (2006-10 und 2013-02) durch entsprechend angepasste Schnittstellen gewährleistet.
Mit der Fortschreibung der BFR Abwasser im Januar 2025 wurde das ISYBAU-Austauschformat Abwasser nun erneut weiterentwickelt und unter der Bezeichnung XML-2024 veröffentlicht. Die Schwerpunkte dieser Weiterentwicklung liegen insbesondere in der grundlegenden Überarbeitung der Sanierungsdokumentation, der systematischen Dokumentation und Bewertung von Rinnen sowie in der Berücksichtigung der Profilmaßerfassung in den Stamm- und Zustandsdaten. Darüber hinaus wurden die Vorgaben des DWA-Arbeitsblatts DWA-M 149-3 2024 „Zustandserfassung und -beurteilung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden Teil 3: Beurteilung nach optischer Inspektion berücksichtigt“.

Fachlicher Hintergrund: Anpassung an die DWA-149-Klassifizierung
Mit der Fortschreibung der DWA-M 149-2 und DWA-M 149-3 wurden die Tabellen zur bautechnischen Zustandsklassifizierung redaktionell überarbeitet. Diese Anpassungen betreffen unter anderem:
- die Systematik der Schadensbewertung,
- die Differenzierung nach Schutzzielen (Dichtheit, Standsicherheit, Betriebssicherheit),
- sowie die klarere Trennung zwischen vorläufigen und endgültigen Bewertungen.
Der Anhang 3.2 der BFR Abwasser („Tabellen zur bautechnischen Zustandsklassifizierung“) wurde entsprechend angepasst. ISYBAU 2024 bildet diese Änderungen nun stringenter im XML-Schema ab, insbesondere durch präzisere Felddefinitionen und eine eindeutigere Zuordnung von Klassifizierungsdaten.
Wichtig ist dabei:
Die zugrunde liegende Norm DIN EN 13508-2 bleibt weiterhin maßgeblich. ISYBAU 2024 verändert nicht die Norm, sondern sorgt für eine konsistentere technische Umsetzung der bestehenden Bewertungslogik.
Änderungen an der Kodierung und Datenstruktur
Die Anpassungen an der Zustandsklassifizierung haben direkte Auswirkungen auf die Kodierung im ISYBAU-Format. In den Zustandsdaten werden nun unter anderem:
- vorläufige und endgültige Schadensklassen getrennt geführt,
- Schadenszahlen und Schadensklassen systematisch unterschieden,
- klassifizierungsbezogene Ergebnisse je Schutzziel eindeutig abgebildet.
Diese Strukturierung ist keine neue Bewertung, sondern eine klarere technische Abbildung der bereits bekannten fachlichen Logik. Für Anwender bedeutet das:
Die Datenerfassung wird formaler, aber auch nachvollziehbarer und auswertbarer.
Erfassungsart (U138): Transparenz über die Entstehung von Zustandsdaten
Eine der sichtbarsten Neuerungen im ISYBAU-XML-2024 ist die Einführung bzw. Präzisierung der Referenzliste U138 – Erfassungsart. Sie dokumentiert, wie die Zustandsdaten erzeugt wurden. Unterschieden werden unter anderem:
- vollständige Zustandserfassung durch den Inspekteur (während oder nach der Inspektion),
- Zustandserfassung unter Einsatz eines Assistenzsystems während der Inspektion,
- vollständig automatisierte Bildauswertung nach der Inspektion.
Damit trägt ISYBAU 2024 der Tatsache Rechnung, dass in der Praxis unterschiedliche Verfahren zur Zustandsdokumentation eingesetzt werden, nicht nur manuell, sondern auch mit KI-Verfahren. Der Einsatz von Assistenzsystemen – etwa mit KI-Unterstützung – wird damit nicht normativ vorgeschrieben, aber formal abbildbar. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu früheren Versionen, in denen diese Unterscheidung technisch nicht vorgesehen war.
Profilmasserfassung (U136): Strukturierte Ablage von Deformationsdaten
Ein weiterer fachlich relevanter Punkt ist die Aufnahme der Profilmasserfassung in das ISYBAU-Datenmodell. Mit der Referenzliste U136 – Profilmassverfahren können die Ergebnisse unterschiedliche Messverfahren, wie z. B.:
- Rotationslaser,
- 3D-Laserscan,
- sonstige Verfahren,
eindeutig angegeben werden.
Ergänzt wird dies durch Datenfelder für Messdatum, Parameter und Messwerte sowie eine abschnittsbezogene Zuordnung. Damit schafft ISYBAU 2024 erstmals eine standardisierte Struktur zur Dokumentation von Deformations- und Profilinformationen innerhalb des Austauschformats.
Wichtig ist auch hier die Abgrenzung:
ISYBAU schreibt keine bestimmten Messverfahren vor, sondern definiert lediglich, wie entsprechende Ergebnisse strukturiert übergeben werden können, sofern sie erhoben wurden.
Einordnung der Änderungen
ISYBAU 2024 ist kein Bruch mit bestehenden Verfahren, sondern eine technische und fachliche Präzisierung. Der Standard:
- setzt die fortgeschriebenen DWA-149-Regelwerke konsistenter um,
- trennt Erfassung, Bewertung und Klassifizierung klarer,
- schafft Transparenz über die Entstehung von Zustandsdaten,
- und erweitert das Austauschformat um strukturierte Inhalte wie Profilmessdaten.
Fazit
Mit ISYBAU-XML-2024 wird der Datenaustausch in der Kanalinspektion methodisch sauberer und fachlich konsistenter. Die Änderungen sind die logische Folge der fortgeschriebenen Regelwerke und der technischen Entwicklungen in der Inspektionspraxis.